Stellungnahme vom Schulamt des OBK und den Leitungen der städtischen Grundschulen anlässlich der Berichterstattung von innerschulischen Vorgängen
Schulausschuss Gummersbach, 16.06.2026, Stellungnahme
TOP 6: Stellungnahme vom Schulamt des OBK und den Leitungen der städtischen Grundschulen anlässlich der Berichterstattung von innerschulischen Vorgängen
Vorlage 05989/2026
Gabriele Zimmermann:
Dank an Schulausschuss: Wir danken dafür, dass wir in diesem Rahmen Raum für eine Stellungnahme erhalten, welche uns alle hier wichtig ist, wie die große Präsenz der hier Anwesenden auch deutlich macht.
Hier sind neben uns als Schulaufsicht, die Schulleitungen aus Gummersbach, Vertreter der Steuergruppe aller Grundschulen im OBK, die Lehrkräfte der GGS Becke, weitere Lehrkräfte und MitarbeiterInnen aus den Grundschulen vor Ort wie auch der Örtliche Personalrat für Grundschulen im OBK.
Bezug Artikel: Wir alle haben am Samstag, den 23.Mai 2026 auf der Titelseite des Oberbergischen Teils der OVZ einen Artikel lesen müssen, der die Arbeit unserer Grundschulen, insbesondere die Arbeit an der GGS Becke extrem beschädigt hat.
Die Reaktionen waren vielfältig und reichten von Betroffenheit über große Irritation und Empörung.
Da wir in Ihnen unseren wichtigsten kommunalen Kooperationspartner sehen ist es uns ein Anliegen hierzu Stellung zu beziehen.
Vorwürfe:
- Messer: Wir lesen von einem Schüler, der ein Taschenmesser mitbringt, welches der Lehrkraft, die dieses dem Schüler abnimmt um Gefahrensituationen vorzugreifen, von einem anderen Schüler aus der Tasche genommen wird.
Wir lesen von einem aus Stöcken gebastelten Holzschwert und von einem Messer, welches ein Schüler aus der Obstschale genommen hat.
Zu keinem Zeitpunkt wurde eines dieser Messer zur Bedrohung einer anderen Person eingesetzt oder hat eine Gefahrensituation ausgelöst. Und da liegt ein ganz entscheidender Aspekt:
Weder haben wir hier gewaltbereite Schüler, die andere Kinder bedrohen und ängstigen noch Schüler, die wir des Diebstahls bezichtigen würden, da die Herausnahme eines Messers aus der Tasche der Lehrkraft nicht gleich einen Dieb aus einem Kind macht.
Die aufgekommene Frage wie es passieren kann, dass ein Kind ein Messer mitbringt bzw. ein anderes dies entwenden konnte, ist einfach zu beantworten.
Wir haben Kinder in elementaren Entwicklungsphasen, die z.T. erstmals das Zusammenleben mit anderen Kindern erproben, sich in einem sozialen Gefüge erleben und kennenlernen, Orientierung suchen und reifen dürfen. Da probiert man sich aus, lernt Grenzen kennen und sucht Grenzen auf.
Damit haben Lehrkräfte umzugehen und dies macht ihren Beruf elementar aus. Neben den fachspezifischen Aspekten des Lesens, Schreibens und Rechnens gehört die Begleitung zur Erziehung zu unseren Schwerpunktaufgaben.
Das Einschätzen möglicher Gefahren durch das Mitbringen eines Messers zu einem gemeinsamen Schnitz-Date mit einem Freund, kann ein Kind in diesem Alter nicht einschätzen. Das ist Lehrkräften bewusst und sie haben daraufhin entsprechend reagiert und das Messer an sich genommen.
Das Besprechen von möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Gebrauch lehrt dann auch die Kinder auf was sie achten müssen.
Dass man einer Lehrkraft nicht in die Tasche greift lernen die Kinder in der Regel schon im Elternhaus. Wenn sie es dort nicht gelernt haben, steuert die Schule erzieherisch nach.
Das umsichtige Verhalten der Lehrkräfte zeigt, dass sie in ihrer Verantwortung verhältnismäßig, angemessen und pädagogisch richtig gehandelt haben.
Der sachgemäße Umgang mit Messern wird hoffentlich auch weiterhin eine Rolle in der Grundschule spielen dürfen, damit wir bei Schulabschluss nicht junge Menschen in der Gesellschaft haben, die nicht wissen, wie man einen Apfel oder eine Kartoffel schält.
- Verwechslung: Weiter wird von körperlichen Übergriffen, Mobbing und Schulangst berichtet und die Situation der Verwechslung eines Jungen mit einem Mädchen auf der Schultoilette als Versehen infrage gestellt.
Es wäre eher anzuklagen, wenn Lehrkräfte nicht darauf achten, dass sich Jungen auf der Mädchentoilette bzw. Mädchen auf der Jungentoilette aufhalten.
Lehrkräfte und MitarbeiterInnen haben täglich eine Menge an Entscheidungen zu treffen, da sie für eine Vielzahl von Kindern zuständig sind und vielfältige Situationen einzuschätzen haben. Es zeugt von Umsicht und verantwortungsvollem Handeln, wenn eine Mitarbeiterin hier sensibel ist. Die Verwechslung wurde in der Schule besprochen, man hat sich entschuldigt und damit war alles getan, was erforderlich ist.
Wenn jede Entscheidung zukünftig in einem solchem Ausmaß angeklagt wird, werden wir zunehmend Lehrkräfte und MitarbeiterInnen haben, die keine Entscheidungen mehr treffen und wegschauen, da egal wie sie reagieren, ihnen dies als Unfähigkeit unterstellt wird und sie sich in der Zeitung wiederfinden. Will man das?
- Schulangst: Da ist von Schulangst die Rede, ein Phänomen, welches es schon immer mal gibt, unabhängig von der Schulform und dem Alter.
Schulangst wird von den verantwortlichen Pädagogen stets sehr ernst genommen und es wird genau nach der Ursache für diese gesucht. Hier greifen Verfahren ineinander, an der viele Experten beteiligt sind. Das läuft immer im Zusammenspiel von Schule-Elternhaus-Schulaufsicht-Gesundheitsamt-Jugendamt und weiteren Institutionen ab.
Das vorschnelle Beurteilen der Situation als Versagen einer Schule darzustellen, greift nicht nur zu kurz, es nimmt vor allem ein Kind in seiner Not nicht ernst, da die, welche sich kümmern, in ihrer Expertise infrage gestellt werden.
- Kindeswohlgefährdung: Das gilt letztlich ebenso für die benannten §8a-Meldungen, den Meldungen einer Kindeswohlgefährdung.
Lehrkräfte haben Vorgaben, die sie in die Pflicht nehmen, Kindeswohlgefährdungen an das Jugendamt zu melden, wenn bestimmte Situationen in der Schule gegeben sind. Dazu gehören beispielsweise, dass Kinder sich Lehrkräften anvertrauen oder sich körperliche Auffälligkeiten zeigen. Jeder macht sich strafbar, der dann wegschaut.
Die Ermittlung zur Anzeige und das Ergebnis der Prüfung liegt dann jedoch nicht in der Hand der Schule, sondern wird der Expertise des Jugendamtes überlassen.
Insgesamt ist es mir wichtig, dass wir Lehrkräfte in ihrer Verantwortung stärken und unterstützen und nicht öffentlich schwächen und infrage stellen, denn dies legt unsere Schulen in ihrer Arbeit zum Wohl der Kinder lahm.
Edgar Prinz:
Ich äußere mich an dieser Stelle als Sprecher der Gummersbacher Grundschulleitungen.
„Alle an Schule Beteiligten müssen ihre Kräfte bündeln.“ - so durften wir es lesen. Da stimmen wir absolut überein und das ist das, was alle an Schule Beteiligten täglich mit großem persönlichem Einsatz tun. Dazu gehört auch, dass alle in ihrer Rolle klar handeln. Dies tun insbesondere die Lehrkräfte und Mitarbeitenden vor Ort in den ihnen zugewiesenen Handlungsfeldern. Alle Schulleitungen sind in engem Austausch miteinander und in den entsprechenden Schulgremien unterwegs und nehmen ihre Funktion verantwortlich wahr.
Die Gummersbacher Grundschulen stehen im Schulterschluss und regelmäßigen Austausch zur Situation an unseren Schulen, dazu zählen auch Konflikte.
Zudem haben die Schulen, zusammen mit dem Jugendamt der Stadt Gummersbach, in Schulleiter-Dienstbesprechungen aller Schulen im Kreis einheitliche Schutzkonzepte entwickelt und Strategien zur Konfliktbewältigung abgestimmt.
In allen Schulen gibt es Ablaufplanungen für wirkliche Krisen und wirkliche Konflikte.
Julia Graupner:
Ich bin Rektorin der Grundschule Windhagen hier in Gummersbach.
Die Berichterstattung über die GGS Becke trägt dazu bei, dass die Arbeit in Schule zusätzlich belastet wird. Letztendlich werden vor allem die Kinder durch solche Schlagzeilen verunsichert und irritiert. Lehrkräfte müssen dieses Vertrauen vor Ort bei den Kindern wieder herstellen.
Die Zeit, um dieser Stimmungsmache zu begegnen, sich Eltern zu erklären, SuS zu beruhigen, Gespräche zu führen, Stellungnahmen zu schreiben, Verunsicherungen im Kollegium abzumildern, fehlt schlicht am Ende in der Arbeit an unseren Kindern.
In der Öffentlichkeit begegnet man immer wieder der irritierten Frage nach fehlenden Lehrkräften und Schulleitungen.
Wir staunen nach solchen Vorfällen immer wieder, dass sich hier noch Menschen finden.
Saskia Bohnenkamp:
Ich bin als Steuergruppenmitglied der Grundschulen hier und spreche zudem als für die GGS Bernberg unterstützende Schulleitung.
Da sich die Bedarfe der Kinder und die Anforderungen an die Familien stetig ändern, müssen wir auch Schule anpassen, wenn wir die Kinder in den Mittelpunkt stellen. Da müssen alle mit auf den Weg genommen werden.
Alle Schulen stehen vor besonderen Herausforderungen, wodurch viele Perspektiven beachtet werden müssen. Die Startchancen Schulen bekommen dabei besondere Möglichkeiten und stellen sich den Anforderungen, Schule für Kinder besonders in den Blick zu nehmen. Dies ist ein bundesweites Programm und auf diesem Weg sind alle erforderlichen Gremien beteiligt worden. Auch hier ist für uns die Unterstützung von ALLEN Seiten wichtig.
Gabriele Zimmermann:
Abschließend möchten wir uns, Herr Halding – Hoppenheit, für Ihre unterstützende Haltung im Schulterschluss mit unseren Grundschulen in dieser Angelegenheit bedanken- insbesondere für die Klarheit in Rolle und Zuständigkeit.
Nur auf dieser Grundlage können wir - wie heißt es so in dem Artikel- „den Laden am Laufen halten“. Eine Vermischung dieser Dinge führt automatisch in Konfliktsituationen, welche niemand möchte und braucht.
Wir brauchen keine Diffamierung unserer Arbeit, sondern den erforderlichen Respekt und die Wertschätzung, die unsere Arbeit verdient.
Vielen Dank!